Ganzheitliches Coaching & Schule für Menschen mit Hund
 

Der unsichtbare Zaun.


Hallo ihr Lieben,

ich habe gestern Abend mit meinen Nachbarn zusammen gesessen und da wir alle Hunde haben, kamen wir natürlich auch auf das Thema Hunde zu sprechen. Meine Nachbarin erzählte mir von einer Freundin, die einen Rüden hat, der gerne aus dem Garten „stiften“ geht. Da er auch nicht abrufbar ist, hat diese sich einen „drahtlosen Zaun“ gekauft.

Hierbei handelt es sich um ein Halsband mit einem Empfänger und einigen Stäben, die in den Boden gesteckt werden oder einem dünnen Draht, der in der Erde verlegt wird. Just dort wo der Hund nicht lang gehen soll. Es gibt Geräte, die senden Stromschläge beim Überschreiten dieser Grenze oder auch welche, die den Hund mit Elektrowellen reizen, so dass sich beim Annähern an den unsichtbaren Zaun das Nackenfell sträubt, was für den Hund extrem unangenehm ist.

Um diesem Reiz zu entkommen tritt der Hund natürlich aus dem Einflussbereich des „Zaunes“ heraus, der Reiz verschwindet. Der Hund übertritt diese unsichtbare Grenze natürlich nicht mehr.

Meine Nachbarin war begeistert, ebenfalls natürlich ihre Bekannte.

Hierbei handelt es sich um „positive Strafe“, positiv heißt in diesem Sinne nicht „gut“, sondern dass etwas Unangenehmes auf sein Verhalten folgt. „Negative Strafe“ hingegen bedeutet dass eine positive Handlung (Aufmerksamkeit, Belohnung,Spielzeug) entzogen wird. Strafe zielt also immer darauf ab, dass der Hund eine „Konsequenz“ aus seinem Verhalten ziehen soll.

Verwilderte, frei lebende Hunde und Hundeartige streifen durch ihr Revier – auf der Suche nach Nahrungsquellen, aber auch um sich zu informieren, was um sie herum passiert.

Beim Gassigang reden wir gerne vom „Zeitung lesen“. Jeder Spaziergang ist dann quasi ein Zug durch das Revier. Es handelt sich beim herum stromern von Hunden also um ein natürliches Verhalten.

In unseren Gefilden Hund auf eigene Faust umher streifen zu lassen ist allerdings unangebracht. Alleine schon die Straßen sind zu gefährlich, ganz zu schweigen von eventuellen Jagdausflügen und der Reaktion von den Jägern darauf, oder anderen Gefahren, die auf unsere Hunde warten können.

Dennoch ist dieses Verhalten ein natürliches Erbe. Wir wollen also mit unserem „unsichtbaren Zaun“ ein natürliches Verhalten unterdrücken und verbieten. Eine wirkliche Alternative zu seinem Verhalten bekommt er aber dennoch nicht, sondern nur gesagt „Du darfst das nicht, weil ich es sage!“ Zudem löst Strafe Unsicherheit, negativen Stress und sogar Angst aus. Das steht wiederum dem Lernprozess im Weg..

Um die Grundbedürfnisse eines Hundes zu befriedigen braucht es nicht nur Wasser, Futter, ein trockenes Plätzchen, Ansprache und „soziale Kontakte“, sondern auch das Befriedigen seines Wunsches sein Revier zu erkunden. Das kann dem Hund bei einem ausgiebigen Sparziergang geboten werden. Damit wir unserem Vierbeiner also möglichst hundgerechte Streifzüge bieten können ist es ratsam den Hund an übersichtlichen Wegen auch frei laufen zu lassen. Das geht natürlich nur, wenn man seinen Hund auch zuverlässig abrufen kann.

Wenn wir einen Garten oder ein großes Grundstück zur Verfügung haben ist das für den Hund natürlich toll: Er kann nach draußen, in der Sonne oder im Schatten liegen und durch den Garten streifen. Es ersetzt allerdings nicht den Streifzug durch sein „ganzes“ Revier. Haben wir nun ein nicht eingezäuntes Grundstück und einen unbeaufsichtigten und gelangweilten Hund, der seine Streifzüge gerne unternehmen möchte, wird dieser natürlich auch das Grundstück verlassen.

Wie gesagt, es handelt sich um ein natürliches Grundbedürfnis des Hundes.

Durch Hilfsmittel wie dem „unsichtbaren Zaun“ wird lediglich versucht die Ursache – ein natürliches Hundeverhalten, zu unterdrücken. Außerdem muss der Hund den Halsbandempfänger weiterhin tragen, denn so wie er lernen kann, dass eine bestimmte Grenze etwas „unangenehmes“ auslöst, kann er ebenfalls auch lernen, dass er diese Grenze irgendwann wieder übertreten kann.

Das bedeutet, der Hund hat gar nicht wirklich gelernt das Grundstück nicht zu verlassen, sondern er meidet diese Grenze, weil etwas unangenehmes passiert.

Das ist in meinen Augen nicht nur Unfair, sondern auch noch Symptompfuscherei.

Faire Lösungsansätze wären:

- das Grundstücks ganz oder teilweise als Hundeauslauf sicher umzäunen.

- dem Hund einen sicheren Abruf beizubringen und ihn nicht unbeaufsichtigt im Garten laufen zu lassen, wenn man ihn nicht anderweitig beschäftigen kann oder will

- die Grundbedürfnisse der täglichen Revierstreifzüge zu befriedigen

- eine Gartenleine benutzen

- dem Hund beibringen, die Grundstücksgrenze wahr zunehmen und diese z.B. positiv zu belegen

- anerkennen, dass läufige Hündinnen für Rüden eine echte Versuchung sind und die Rüden vor allem dann absichern, wenn Hündinnen in der Umgebung läufig sind

Wem dies zu viel Arbeit ist kann immer noch auf einen festen Zaun zurück greifen. Dieser macht nur einmal Arbeit, kann schön bepflanzt werden und der Hund, sowie Autofahrer etc. sind abgesichert. Immerhin haben wir uns bewusst für einen Hund entschieden, einem Begleiter unseres Lebens, einem Freund. Die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse und der Schutz anderer bzw. des Hundes selbst sollte uns doch ein Leichtes sein!

Ich frage mich, wieso wir einen unsichtbaren Zaun – ob mit oder ohne Elektroschocks, unangenehm ist das Ding alle mal, hernehmen, anstatt uns die Mühe zu machen auf unseren Liebling einzugehen, ihn vernünftig zu Erziehen und seine Grundbedürfnisse zu befriedigen?!

Die Antwort ist einfach und sehr erschreckend:

Entweder es ist den Leuten schlicht „zu anstrengend“ sich mit der Thematik zu befassen, diese Arbeit und Zeit zu investieren oder sie wissen es nicht besser und denken es gäbe keine anderen Möglichkeiten. Aber ist es wirklich soweit gekommen die Grundbedürfnisse unseres Hundes als lästig und unangenehm zu empfinden? Wieso halten wir dann Hunde wenn uns weder die Arbeit der Erziehung und Auslastung Spaß bereitet, noch der täglich Spaziergang oder die Beschäftigung mit dem Wesen Hund?

Weil wir Erziehung, Beschäftigung und Gassigang als Arbeit ansehen und es uns zu anstrengend geworden ist  verleiden wir dem Hund einfach Grundbedürfnisse durch derlei Hilfsmittel.

Wenn wir mal ganz in Ruhe darüber nachdenken ist das doch eine ziemlich unfaire Sache, oder?

Gassigang, Erziehung, Auslastung, Fütterung, für die Sicherheit des Hundes und Anderer zu sorgen - all das macht Arbeit!

Aber sind das nicht alles Dinge die wir vorher wussten? Die wir gerne in Kauf nehmen für einen unserer besten, liebsten und innigsten Freunde? Wir verwöhnen unsere Hunde mit allerlei Tand und Krempel (Geburtstags und Weihnachtsgeschenke, neuen Leinen, Halsbändern und Geschirren, Spielzeug noch und nöcher), haben aber keine Zeit mehr für seine Grundbedürfnisse? Haben keine Lust unser Grundstück für unseren Hund abzusichern, damit er sich frei darauf bewegen kann?

Wieso muss man für den Hund etwas Negatives herbeiführen um ihm ein natürliches Verhalten zu unterdrücken und zu verleiden obwohl es mit etwas Mühe auch anders ginge?

Aber den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen heißt auch eine Möglichkeit für Bindung, Beziehung und die wertvolle Zeit mit seinem Hund auf zu geben. Es bedeutet auch unfair gegenüber seinem Hund zu handeln und nicht darüber nach zu denken was mein Gegenüber braucht und sich Wünscht. Es bedeutet ganz einfach ein Stückchen weit mehr Egoistisch gegenüber einem Wesen zu handeln, dass uns sein ganzes Leben, sein ganzes Vertrauen und seine ganze Liebe schenkt!

In diesem Sinne,

einen wunderbaren Sonntagabend euch.

 
 
 
 
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